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Editorial

Die „moderne“ Haflingerzucht

Samstag, 31 Juli 2010

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Kissing Spines PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Nicole Nendza - Tierphysiotherapeutin   
Sonntag, 25 November 2007

Man spricht auch von "Thorakalem Interspinalem Syndrom", kurz TIS.

Hierunter versteht man eine Umfangsvermehrung und Kontakt (Kissings spines) oder Überlappendung der Dornfortsätze (Overriding spines). Die Verknöcherungsprozesse an den Bandansätzen können an den vorderen und hinteren Rändern der Dornfortsätze erhebliche Ausmaße annehmen, so dass es nicht nur zu einer Verengung der Zwischenräume, sondern in extremen Fällen sogar zu einer knöchernen Überbrückung der Dornfortsätze kommen kann.

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Normale Wirbelstellung Kissing spines

Viel mehr Pferde sind von Kissing spines betroffen, als man bisher annahm: Eine Studie bezüglich der Ursachen von Rückenproblemen bei 825 untersuchten Pferden zeigt, dass in 269 Fällen Muskel- und Bänderprobleme die Ursache waren, in 234 Fällen Kissing spines, in 118 Fällen Probleme im Iliosacralgelenk und in einem Falle eine Subluxation der Lendenwirbelsäule vorlag.

"Kissing spines" und "Overriding spines" finden sich vorrangig an den Dornfortsätzen des 12. - 18. Brustwirbels, d. h. in der Sattellage.

Ursachen

  • Schon beim gesunden Pferd betragen die Abstände zwischen den einzelnen Wirbeln bzw. den Dornfortsätzen nur ca. 3 bis 4 mm Millimeter. Wirkt nun ein zusätzliches Biegemoment ein, können die Dornfortsätze einander berühren.
  • Wegbereitend ist ein Durchbiegen der Wirbelsäule
  • Pferde im Langrechteckformat zeigen eine um 12 % höhere Anfälligkeit für Kissing spines oder Overriding spines.
  • Großes Rumpfgewicht des Pferdes, schwerer Reiter, falsches Einsitzen beim Leichttraben und Galoppieren.
  • oftmals Rückenverletzung im Vorbericht (Überschlagen nach hinten, Stürze), wobei die Krankheitssymptome erst zwei bis drei Jahre nach der Verletzung auftreten können.


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So extrem muss die Wirbelsäule
nicht durchgebogen sein, damit Kissing spines
auftreten können

Symptome

  • Schmerzhaftigkeit, solange zwischen den Wirbeln Beweglichkeit besteht
  • vermehrtes Schweif- und Kopfschlagen, Widersetzlichkeit und Weglaufversuche beim Putzen, Satteln sowie unter dem Reiter zu beobachten
  • Gelegentlich buckeln die Pferde nach dem Auflegen des Sattels oder werfen sich hin.
  • Stöhnen oder Äußerung des Unwohlseins, wenn der Sattelgurt angezogen wird.
  • Unter dem Reiter hoch getragener Hals und Kopf, weg gedrückter Rücken.
  • Mangelnde Losgelassenheit
  • Verspannte Rückenmuskulatur, der Rücken kommt nicht zum Schwingen
  • Auffußen mit der Zehenspitze.
  • Untaktmäßiger, steifer, holpriger, eventuell stechschrittartiger Gang mit kerzengeraden Hinterbeinen
  • Das Pferd hat Probleme, die Übergänge korrekt auszuführen
  • Verkürzte Vorführphase der Hinterextremität
  • Durch Verengung der Wirbellöcher infolge des Durchbiegens der Wirbelsäule ergibt sich evtl. ein Druck auf die austretenden Nerven. Hierdurch kann es zur Lahmheit kommen. Ist der N. ischiadicus irritiert, zeigt das Pferd eine deutliche Empfindlichkeit der Kruppen- und der hinteren Oberschenkelmuskulatur.



Das Becken ist über das Kreuzdarmbeingelenk nahezu unbeweglich mit der Wirbelsäule verbunden. So muss das Becken der Bewegung der Wirbelsäule folgen: Ist die Wirbelsäule durchgebogen, stellt sich das Becken automatisch flacher. Dadurch wandern die Sitzbeinhöcker nach oben. Die Muskulatur, welche an den Sitzbeinhöckern ihren Ursprung hat, wird nun ebenfalls nach oben gezogen. Dadurch entsteht automatisch ein Zug an ihren Ansätzen am Unterschenkel bzw. Fersenbein. Durch diesen Zug nach hinten oben wird die Vorführphase der gesamten Hinterextremität eingeschränkt.

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Mangelnde Vorführung der Hintergliedmaße
durch flach gestelltes Becken
Hier kann man gut die Kontaktbereiche
der Dornfortsätze am Präparat erkennen

Diagnose

  • Der Tierarzt tastet den Patienten ab.
  • Er fährt mit einem Kugelschreiber oder ähnlichem über die Muskulatur, die direkt neben der Wirbelsäule liegt. Normalerweise werden hierbei Reflexe in Gang gesetzt, welche die Wirbelsäule zu aufwändigen Bewegungen veranlasst. Verbleibt das Pferd völlig reaktionslos, besteht Verdacht auf Kissing spines.
  • Röntgen (verringerte Zwischenräume bzw. ein Überlappen oder ein gegenseitiges Berühren der betroffenen Dornfortsätze)
  • Szintigraphie (radiaktiver Stoff wird in den Blutkreislauf eingebracht, welcher sich an entzündeten Knochen ablagert. So ist eine genaue Lokalisation der Kissing spines schon im frühen Stadium möglich)

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Auf dem Röntgenbild lässt sich erkennen,
welche Dornfortsätze sich berühren

Physiotherapie

Die physiotherapeutische Therapie bei Kissing spines ist sehr erfolgversprechend und erbringt gute Resultate. Obgleich sie stets von einem gut ausgebildeten Tierphysiotherapeuten durchgeführt werden sollte, kann auch der Patientenhalter einiges für sein Pferd tun.

Wichtig ist., dass stets im Dreierschritt 1. Lockerung der Rückenmuskulatur, 2. Auftrainieren der Bauchmuskulatur und 3. Training der Rückenmuskulatur vorgegangen wird.

Die Bauchmuskulatur ist nämlich die wichtigste Instanz dafür, dass sich der Rücken aufwölben und damit das Reitergewicht aufnehmen kann. Sie liegt zwischen den Enden der Brust- und Lendenwirbelsäule wie die Sehne eines Bogens, den sie spannt. Ist die Bauchmuskulatur schwach, wird die Wirbelsäule nicht aufgwölbt und der Rücken biegt sich durch. Das Pferd verkrampft dann die langen Rückenmuskeln in dem Versuch, sich das Reitergewicht erträglich zu machen. Ein Training der Bauchmuskeln macht in der Therapie jedoch erst dann Sinn, wenn die Rückenmuskeln gelockert wurden.

An Schritt 2 und 3 kann der Reiter aktiv mitwirken.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 30 November 2007 )
 
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